Wohnen im Alter NRW

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Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft

Um das Thema Wohnen im Alter voran zu bringen, arbeitet der Paritätische NRW seit vielen Jahren mit dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW) zusammen. Gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund NRW haben sich beide Verbände schon 2006 in der sogenannten Dortmunder Erklärung verpflichtet, innovative und nutzerfreundliche Wohnmodelle für ältere Menschen zu entwickeln und nachhaltig umzusetzen.

Interview über die Zusammenarbeit vom Paritätischen NRW und dem VdW

In einem Interview spricht Alexander Rychter, Vorstand und Verbandsdirektor des VdW über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Wohnungswirtschaft und die erfolgreiche Zusammenarbeit des VdW und des Paritätischen NRW.

Vor welchen Herausforderungen steht die Wohnungswirtschaft?

Rychter: Insbesondere der demografische Wandel beeinflusst die Wohnungswirtschaft maßgeblich und ist neben der Klimaveränderung die zentrale Zukunftsherausforderung. Von insgesamt 40 Millionen Wohnungen in Deutschland sind nur etwa 400.000 bis 500.000 altersgerecht umgebaut. Derzeit gibt es jedoch rund 2,5 Millionen Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und eine barrierefreie oder barrierearme Wohnung bräuchten.

Was bedeutet das für den VdW?

Rychter: Rein wirtschaftlich gesehen sind entsprechende Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen mit hohen Kosten verbunden. Von unseren Mitgliedsunternehmen haben die Hälfte bereits Wohnungen nach der DIN-Norm barrierefrei umgebaut. Zwei Drittel haben im Bestand Wohnungen, die im weitesten Sinne altersgerecht gestaltet sind, das heißt einige Barrieren sind bereits abgebaut.

Welche Bedürfnisse hat Ihre ältere Kundschaft?

Rychter: Heute möchten die meisten Senioren und Seniorinnen selbstbestimmt und selbstständig so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Daher benötigen sie bezahlbare Wohnungen oder alternative Wohnformen, attraktive Serviceangebote, eine gute Versorgungs- und Infrastruktur sowie Verkehrsanbindung in ihrem Viertel. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und die zunehmend pflegebedürftigen Mieter und Mieterinnen in ihren Wohnbeständen zu halten, müssen wir auf ihre veränderten Bedürfnisse eingehen.

Wie reagiert der VdW darauf?

Rychter: Seit Ende der 90er Jahre setzen wir uns intensiv mit dem Thema Wohnen im Alter auseinander und beschäftigen uns mit der Entwicklung quartiersnaher Wohnangebote sowie dem altersgerechten und barrierefreien Wohnungsumbau. Für uns ist die ältere Zielgruppe eine wertvolle Kundschaft, denn sie kümmern sich um ihre Wohnungen, zahlen regelmäßig Miete und sind sehr standorttreu. Aber um innovative Wohnformen nachhaltig umsetzen zu können, brauchen wir einen verlässlichen Partner, der auch zum Leitbild unseres Verbandes passt.

Warum ist der Paritätische ein geeigneter Kooperationspartner?

Rychter: In zentralen Punkten stimmen die Positionen unserer Verbände überein. Dazu zählen unter anderen die Bedeutung der Quartierssozialarbeit und die Sicherstellung der ambulanten Versorgung im gewohnten Umfeld. Zu diesen Themen begrüßen wir auch die aktuelle Vereinbarung unserer Gesamtverbände zu einer vertiefenden Zusammenarbeit und wechselseitigem Austausch.

Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit?

Rychter: Die Kernkompetenz des VdW ist das Bauen und Vermieten, wir liefern in dieser Kooperation sozusagen die Hardware. Der Paritätische NRW und seine Mitgliedsorganisationen stellen die komplexe Software. Mit innovativen Wohnangeboten sowie vielfältigen Betreuungs-, Unterstützungs- und Pflegeleistungen ermöglichen sie die passgenaue Versorgung unserer Kundschaft und ihren Verbleib im Quartier.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Rychter: Ein Beispiel von mehreren ist die erfolgreiche Kooperation unseres Mitgliedsunternehmens „Die Ehrenfelder“, einer gemeinnützigen Kölner Wohnungsgenossenschaft, mit verschiedenen örtlichen Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW. Gemeinsam haben die Akteure in Köln ein umfassendes Wohnkonzept umgesetzt. Entstanden ist ein generationsübergreifendes Wohnprojekt des Vereins „Wohnen mit Alt und Jung“ mit einer integrierten Pflege-Wohngemeinschaft der Einrichtung „Zu Huss e.V.“. In dem Gebäude gibt es außerdem einen vom Quäker Nachbarschaftsheim e.V. organisierten Nachbarschaftstreff. Dieser Verein stellt auch das Quartiersmanagement und hat die Wohnungsgenossenschaft bereits vor Baubeginn intensiv beraten.

Was wünschen Sie sich für die künftige Zusammenarbeit?

Rychter: Beide Verbände müssen sich weiterhin für die Umsetzung rechtlicher Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel dem Wohn- und Teilhabegesetz NRW oder angemessener Fördermöglichkeiten für den altersgerechten Umbau bestehender Wohnungen, einsetzen. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir unsere gemeinsamen Netzwerke noch stärker nutzen.