Den Quartiersgedanken stärken

Verband und Mitgliedsorganisationen treiben den Aufbau von alternativen Wohnmodellen voran

Der Paritätische unterstützt die Stärkung des Quartiersgedanken und begrüßt entsprechende Bestrebungen der Landesregierung. Quartiere familienfreundlich und nachhaltig zu entwickeln ist für den Paritätischen dabei leitend. Um diesen Gedanken umzusetzen braucht es innovative und dauerhafte Angebote für ältere, pflegebedürftige und behinderte Menschen zum Verbleib in ihrem Quartier. Gleichzeitig fordert der Verband gesetzliche Regelungen, die zukunftsweisende und präventive Projekte auch ermöglichen. Wie solche Projekte aussehen können, zeigen aktuelle Beispiele aus der Mitgliedschaft.

Quartiersentwicklung – insbesondere auch in der Pflege – ist die logische Konsequenz aus zwei Tatsachen: Zum einen steigt die Zahl der Pflegebedürftigen und ihre professionelle Versorgung droht die Kapazitäten der Sozialversicherungssysteme zu sprengen. Zum anderen wünschen sich ältere Menschen, möglichst lange im eigenen Zuhause bleiben zu können, auch wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. In Zahlen ausgedrückt: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gibt es heute 2,3 Mio. Pflege­bedürftige, erwartet werden 3,4 Mio. im Jahr 2030. Und obwohl heute immer noch rund zwei Drittel von der Familie zu Hause versorgt werden, gab es in den letzten Jahren einen Trend zur Professionalisierung der Pflege und hier zur stationären Versorgung.

Individualisierung lässt Bedarf steigen

Wo Patchwork- und Single-Haushalte aber traditionelle Familienstrukturen mit überholten Frauenbildern ablösen, ist abzusehen, dass der Bedarf nach Unterstützung von außen weiter wachsen wird. Auch aus ökonomischer Sicht ist das Entwickeln und Stärken von Konzepten sinnvoll, die es älter werdenden Menschen ermög­lichen, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu führen. Ganz abgesehen davon, dass es eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist, die alltägliche soziale Teilhabe von älteren und pflegebedürftigen Menschen zu sichern.

Nah am Lebensmittelpunkt

Der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen arbeiten deshalb an ambulanten Dienstleistungen sowie alternativen Wohn- und Betreuungsmodellen. 70 ambulante Pflege-Wohngemeinschaften sowie knapp 20 generationsübergreifende Wohn- und zahlreiche Quartiersprojekte versammeln sich unter dem Dach des Paritätischen NRW. So zum Beispiel die Freie Alten- und Nachbarschaftshilfe Aachen (Fauna). Schwerpunkt und Besonderheit ihrer Arbeit ist die Versorgung von demenziell erkrankten Menschen, direkt im eigenen Zuhause oder sehr nah am bisherigen Lebensmittelpunkt. Außerdem versorgt Fauna zwei ambulante Pflege-WGs.

Bei einem Ortstermin in der Fauna würdigte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens das „zukunftsweisende Versorgungsmodell“ und diskutierte mit Vertreterinnen und Vertretern des Paritätischen über den vom Ministerium initiierten Masterplan Quartier sowie die gesetzliche Basis für die quartiersorientierte Pflege. „Soziale Einrichtungen brauchen die nötigen Freiräume, um den Quartiersgedanken auch praktisch umsetzen zu können. Durch das derzeitige Wohn- und Teilhabegesetz ist der Aufbau von alternativen Wohnmodellen leider ins Stocken geraten“, kritisierte Hermann Zaum, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW.

Quartiersarbeit wirkt präventiv

Um die Idee vom alters- und familiengerechten Wohnen im Quartier weiter voranzubringen, hat der Paritätische NRW, gemeinsam mit dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW) Ende November eine Fachtagung veranstaltet. Ziel war es, regionale Kooperationen zwischen der Offenen Altenarbeit/Pflege und der Wohnungswirtschaft anzustoßen und über gelungene Praxisbeispiele zu informieren. Etwa über das Nachbarschaftshaus Ansgarstraße 5 in Köln. Hier war die Wohnungsgenossenschaft Die Ehrenfelder auf der Suche nach einem Partner, der das geplante Begegnungshaus für ihre Mieter mit Leben füllte. Über den Paritätischen fand sich das Quäker-Nachbarschaftsheim. Zusammen haben sie das Projekt realisiert und seit zwei Jahren versucht das Haus Versorgungslücken in der Nachbarschaft zu schließen, mit Spielgruppen, Gedächtnistrainings, Kochtreffs, diversen Beratungsangeboten und Möglichkeiten zur Mitgestaltung.

Die Macher/-innen verstehen ihr Projekt als Beitrag zu einem alters- und sozial durchmischten Quartier, als auf Eigeninitiative gestützte Gemeinwesensarbeit, die soziale Netzwerke schafft, und damit letztlich als präventiven Ansatz in der Lebensgestaltung und Versorgung von Älteren und Hilfebedürftigen.

 

  Seite drucken   Sitemap   Mail an die Projektleitung   Suchtipps   Hinweise zur Änderung der Schriftgröße  


 
top