Aufbau einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft

Andreas Fuhrmann, Geschäftsführer der Sozialstation Jung & Alt e.V., spricht mit „Wohnen im Alter“ über die Fortbildung der Paritätischen Akademie „Aufbau einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft unter besonderer Berücksichtigung des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW (WTG), die im Juli 2011 in Gelsenkirchen stattfand.

Sozialstation

Andreas Fuhrmann, Geschäftsführer Sozialstation Jung & Alt e.V.

Warum haben Sie an der Fortbildung teilgenommen?

Andreas Fuhrmann: Seit über 20 Jahren ist das Team der Sozialstation Jung & Alt in der ambulanten Versorgung im Kreis Höxter unterwegs. Obwohl wir stetig wachsen, müssen wir immer öfter Patienten und Patientinnen in eine stationäre Einrichtung überleiten. In den meisten Fällen sind das Patienten und Patientinnen, die bei der Aufnahme der ambulanten Versorgung ganz deutlich gemacht haben, dass eine stationäre Unterbringung, zum Beispiel in einem Seniorenheim, für sie nicht in Frage kommt. Insbesondere die Zunahme an demenziellen Erkrankungen führt jedoch sehr häufig zu Versorgungssituationen, die ambulant nicht mehr zu managen sind. Somit stehen wir vor dem Problem, dass eine häusliche Versorgung nicht mehr ausreicht, eine stationäre Unterbringung aber nicht gewünscht ist. Die Lösung könnte daher sein, ein neues Versorgungsmodell in Form einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft im Kreis Höxter zu installieren, darüber wollten wir uns auf der Fortbildung näher informieren.

Hat Ihnen die Veranstaltung gefallen?

Andreas Fuhrmann: Die Dozentin Monika Schneider ist sehr kompetent und hat die zwei Tage in Gelsenkirchen informativ und kurzweilig gestaltet. Nicht zuletzt durch diese Fortbildung beschäftigen wir uns nun ernsthaft mit dem Gedanken, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Menschen mit demenziellen Erkrankungen mit zu gründen.

Haben Sie zum Aufbau einer ambulant betreuten WG die notwendigen Informationen erhalten?

Andreas Fuhrmann: Ja, wir wissen jetzt, dass das oberste Ziel hinter der Gründung einer solchen ambulant betreuten WG sein wird, das Selbstbestimmungsrecht der MieterInnen und / oder der Angehörigen deutlich hervor zu heben. Wir wollen keine kleine Einrichtung schaffen, sondern im Projekt ambulant betreute WG ein kompetenter Dienstleister für Betreuung und Pflege sein. Als geeignetes Mittel, um das Selbstbestimmungsrecht der MieterInnen zu verdeutlichen, erscheint mir das von Monika Schneider bevorzugte Modell der Auftraggebergemeinschaft. Verbunden ist hiermit eine Organisation der Mieterinteressen, welche wiederum den Tatbestand der Häuslichkeit einer betreuten WG deutlich macht. Das ist zum einen sehr wichtig zur Refinanzierung der WG-Kosten, zu denen beispielsweise die Kosten für die Behandlungspflege gehören, und zum anderen, um nicht unter das WTG zu fallen.

Gab es noch weitere Anregungen?

Andreas Fuhrmann: Klar ist für uns nun auch, dass es zu einer strikten Trennung zwischen Investor/Vermieter, Dienstleister für Pflege und Betreuung sowie Interessenvertretung der MieterInnen als Aufraggebergemeinschaft kommen muss. Hier müssen sich drei Partner finden, die Pioniergeist mitbringen und in Zukunft vertrauensvoll und kooperativ miteinander arbeiten wollen.

Eine sehr wichtige Information für einen potenziellen Investor ist auch die Tatsache, dass in einer Immobilie, die mit Mitteln aus dem öffentlichen Wohnungsbau gefördert wird, sämtliche MieterInnen mit einer demenziellen Erkrankung unabhängig vom Einkommen in den Genuss eines Wohnberechtigungsscheins kommen. Für interessierte Angehörige ist sicher nicht zu unterschätzen, dass bei der Unterbringung eines Familienmitglieds in einer ambulant betreuten WG, die Versorgungskosten nicht aus Mitteln der Angehörigen refinanziert werden dürfen. Sollten die noch zu zahlenden privaten Kosten die eigenen finanziellen Mittel des Mieters bzw. der Mieterin übersteigen, muss der Sozialhilfeträger einspringen.

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Information:

Wenn Sie sich ausführlicher über die Sozialstation Jung & Alt e.V. informieren möchten, besuchen Sie bitte folgende Internetseite:

Die Sozialstation Jung & Alt ist Dienstleister für alle Menschen, die Pflege, Hilfe und Betreuung im Bereich der häuslichen Alten-, Kranken- und Behindertenpflege im Kreis Höxter in Anspruch nehmen möchten.

 

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