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Neue Wohnformen im Alter

Erika Rodekirchen, Mitgründerin und hauptamtliche Mitarbeiterin bei "Neues Wohnen im Alter e.V.", spricht mit uns über das Beratungsprofil des Kölner Vereins und erklärt, wie sie und ihr Team die Interessentinnen und Interessenten bei der Auswahl einer geeigneten Wohnform unterstützen und zu mehr Eigeninitiative ermutigen.

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Erika Rodekirchen, Neues Wohnen im Alter e.V.
Foto: Neues Wohnen im Alter e.V.

Welche Dienstleistung bietet "Neues Wohnen im Alter" an?

Erika Rodekirchen: Unser Verein ist eine Beratungs-, Kontakt-, und Koordinierungsstelle sowie Regionalbüro Rheinland für „Neue Wohnformen im Alter“. Wir beraten und begleiten die Interessentinnen und Interessenten, haben dabei alle Wohnformen im Blick und versuchen, dass Richtige für jeden zu finden. Die meisten Menschen möchten im Alter auch bei gesundheitlichen Einschränkungen oder einer Behinderung in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben oder suchen ein barrierefreies Wohnprojekt, das ihnen ein soziales Netz bietet. Wir informieren über Möglichkeiten der Wohnraumanpassung und vermitteln ggf. weiter, hier in Köln z. B. zu "wohn mobil", einer Beratungsstelle der PariSozial.

Wie läuft die Beratung in der Regel ab?

Erika Rodekirchen: Die Ratsuchenden melden sich bei uns überwiegend telefonisch, haben grundsätzliche Fragen zu alternativen Wohnformen, suchen Gleichgesinnte, möchten in ein bestehendes Wohnprojekt vermittelt werden oder wollen selbst ein Wohnprojekt initiieren. Wir beraten sie erst einmal allgemein und senden ihnen im Anschluss ausführliches Infomaterial zu. Wenn sie weiterhin interessiert sind, laden wir sie zu einer kostenlosen Beratung in unser Büro ein. In diesem Gespräch ermitteln wir dann ihre Bedürfnisse: Was haben sie für Vorstellungen von alternativen Wohnformen? Ist ein gemeinschaftliches Wohnprojekt überhaupt das Richtige für sie? Welche Bedingungen gibt es? Wo, wie und mit wem wollen sie wohnen? Wollen sie sich einer bestehenden Gruppe anschließen oder selber eine gründen?

Mit diesen Fragen versuchen wir den Ratsuchenden eine Entscheidungshilfe zu geben, ob die gemeinschaftliche Wohnform für sie geeignet sein könnte. Wir gehen mit ihnen praktisch die einzelnen Entwicklungsstufen von der Idee bis zur Umsetzung eines Projektes durch. Wir empfehlen den Interessentinnen und Interessenten stets, sich die unterschiedlichen Wohnprojekte selber anzuschauen. Über diesen Weg kristallisiert sich schnell heraus, was sie wollen oder nicht und das trägt entscheidend zum Findungsprozess bei.

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Das Team von "Neues Wohnen im Alter e.V." nimmt an einer Aktion teil.
Foto: Neues Wohnen im Alter e.V.

Wie unterstützt Ihr Team den Gründungsprozess?

Erika Rodekirchen: Wir beraten die Interessentinnen und Interessenten je nach ihren Fähigkeiten und Kompetenzen und zeigen ihnen die Möglichkeiten einer Projektentwicklung auf. Gleichzeitig informieren wir sie über mögliche Rechtsformen einer Wohngemeinschaft sowie über die Finanzierung oder helfen bei der Suche nach Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Dabei ist es uns wichtig zu vermitteln, dass jeder Einzelne den Gründungsprozess einer Hausgemeinschaft und das spätere Zusammenleben aktiv unterstützen kann – Anspruchs- oder Versorgungsdenken sind hier fehl am Platz. Wir beraten aber nicht nur Einzelpersonen oder Wohngruppen, sondern auch Institutionen wie Wohlfahrtsverbände, Wohnungsunternehmen und Kommunen, die sich mit dem Thema alternatives Wohnen auseinandersetzen möchten. Außerdem bieten wir zu vielen Themen rund um die „Neuen Wohnformen im Alter“ Arbeitsgruppen, Seminare und Veranstaltungen an.

Gibt es Grundvoraussetzungen für das Leben in einer Hausgemeinschaft?

Erika Rodekirchen: Auf jeden Fall muss man andere Menschen mögen. Außerdem sollte die Bereitschaft zu guter nachbarschaftlicher Hilfe gegeben sein. Toleranz und Ausdauer sind ebenso wichtig wie die Fähigkeit sich abgrenzen zu können. Mit dem benötigten Maß an Nähe und Distanz sollte man sich ebenfalls beschäftigen.

Inwieweit kann bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen die Selbsthilfe im Paritätischen (KISS) eine Rolle spielen?

Erika Rodekirchen: Unser Verein, der heute Träger des Regionalbüros Rheinland für „Neue Wohnformen im Alter“ ist, hat sich vor über 25 Jahren aus einer Selbsthilfegruppe heraus entwickelt. Damals haben sich persönlich und beruflich Betroffene zusammengetan, um sich mit dem Thema neue Wohnformen im Alter intensiv auseinanderzusetzen. Erst haben wir nur ehrenamtlich gearbeitet, dann gab es auch zeitweise hauptamtliche Kräfte. Die Arbeit war aber nicht nur „Selbsthilfe“ für die Betroffenen, denn wir haben auch andere Interessentinnen und Interessenten beraten. Mit den Kolleginnen der Selbsthilfekontaktstelle Köln tauschen wir uns aus. Sie kennen unsere Unterstützungsangebote und können Gruppen, die unsere Hilfe benötigen, an uns verweisen. Wir stehen mit vielen Selbsthilfegruppen der KISS in Kontakt.

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit in Zukunft erreichen?

Erika Rodekirchen: Wir wünschen uns, dass flächendeckend neue Wohnformen umgesetzt und dafür auch kleinere Unternehmen ins Boot geholt werden, damit mehr Vielfalt auf dem Wohnungsmarkt entsteht. Ziel ist es, Barrieren aus dem Weg zu räumen und gemeinsam mit der Stadt Köln Lösungsansätze zu finden. Wenn man Teilhabe fordert, müssen dafür schließlich auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen halten wir für notwendig – weg vom reinen Konsumentendenken, hin zu mehr Selbstverantwortung und freiwilligem Engagement rund um das Thema „Wie will ich im Alter leben?“.

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Information:

Neues Wohnen im Alter e.V. ist Mitglied im Paritätischen NRW und setzt sich seit über 25 Jahren für selbstständige Wohn- und Hausgemeinschaften für ältere Menschen ein. Die Arbeit des Kölner Vereins finanziert sich über Stiftungsgelder, Mitgliedsbeiträge und Spenden und wird teilweise ehrenamtlich geleistet. Seit vielen Jahren, jedoch mit einigen längeren Unterbrechungen und vorerst wieder nur bis Ende Juni 2012, wird ein Teil der Vereinsarbeit, der über die Kölner Grenzen hinaus geht, als Regionalbüro Rheinland vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA) durch das Förderprogramm „Neue Wohnformen im Alter“ finanziert.

Kontakt:
Regionalbüro Rheinland
Neues Wohnen im Alter e.V.
Marienplatz 6, 50676 Köln
Tel. (0221) 21 50 86
Fax (0221) 92 31 887
nwia.ev.@t-online.de

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Vereins:

 

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